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von Christian Völler & Brian Buhr vom 16.12.2002



Coreground: Ihr wart bisher ja schon dreimal in Deutschland auf Tour, sodass du schon einen Eindruck dieses Landes bekommen haben müsstest... Magst du Deutschland?

Robert: Auf jeden Fall! Ich denke Deutschland hat die aktivste Szene innerhalb Europas und alle sind super freundlich und aufmerksam! Nirgendwo anders erhalten wir soviel positives Feedback und Reaktionen wie hier! Ich mag es hier zu spielen...

Coreground: Gibt es irgendwelche auffälligen Unterschiede zu anderen Ländern bezüglich des Publikums, der Leute usw.?

Robert: Wir waren das erste Mal 1998 hier und dann 2000 mit Waterdown und Static 84 in Deutschland auf Tour und man sieht hier im Gegensatz zu den Staaten viel weniger Kickboxer! Besonders an der Ostküste gibt es verdammt viele Kids die total ausrasten und einfach wild um sich treten... Verrückt! Das sieht man hier einfach nicht so oft!
Aber der eigentliche Unterschied ist der, dass die Leute hier einfach auf die Shows kommen und Spass haben, ganz egal, ob sie dich kennen oder nicht! In den Staaten scheint es oft so, dass die Kids dich mögen weil es gerade eine Art Mode ist! Wenn eine Band gerade nicht aussieht wie alle anderen sind sie uncool und keiner geht hin! Und ich denke nicht, dass wir soooo cool aussehen, oder?

Coreground: Würdet ihr diese Tour als Promotour für eure neue EP bezeichnen oder wars nur son Ding wie "Wir müssen mal wieder auf Tour in Europa gehen"?

Robert: Wir mögen es in Europa, deshalb denke ich, wir wären auch ohne die EP hierher gekommen! So trifft es sich natürlich sehr gut, wir können wieder live spielen und machen Werbung für die CD! Wir haben in den Staaten teilweise neues Material gespielt, was noch niemand kannte, da die EP da auch erst seit ein paar Wochen draußen ist! Wir wollten sichergehen, dass das Teil in Großbritannien und hier raus ist, bevor wir kommen!

Coreground: Die EP ist hier seit Anfang November raus...


Robert: Achso, hmm, dann schauen wir mal wer die Texte gelernt hat... (lacht)

Coreground: Wo und wann wurden die Livesongs der EP eigentlich aufgezeichnet?

Robert: Es war eigentlich gar nicht unsere Idee eine EP rauszubringen, das komplette Album ist seit Ende Mai fertig! Aber aufgrund anderer Releases auf unserem Label verschiebt sich das Ganze immer weiter nach hinten! Wir haben mit dem "After The Eulogy" - Material über Jahre hinweg getourt und es wurde einfach langweilig, für uns und für die Fans! Wir mussten was neues machen! Also wurde uns gesagt: "Macht doch eine drei Song CD!" Naja, das war aber nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten, also haben wir diese drei Liveaufnahmen aus einem Club in New Jersey mit auf die CD gepackt! Wir wollten dafür sorgen, dass die CD für den Preis einer Single zu haben ist, dennoch mehr als eben diese drei Songs enthält. Im September diesen Jahres haben wir das komplette Set gefilmt und die besten Songs ausgewählt. Es war schon eine coole Sache, wir haben mit dem Typen zusammengearbeitet, der die ganzen Livesachen von Pearl Jam aufgenommen hat!

Coreground: Also wusste er was er tat...

Robert: Auf jeden Fall! Einer der Livesongs, "Headful Of Redemption" wird auch unsere erste Single sein!

Coreground: Wenn jetzt das Album im April nächsten Jahres erscheint, werdet ihr dann eine weitere komplette Europatour machen oder das Ganze erst in den Staaten promoten?


Robert: Wir werden auf jeden Fall wiederkommen! Zur Zeit werden einige Festivals im Sommer geplant, ob wir noch ne ganze Tour dranhängen liegt auch daran, wie die Platte hier in Europa ankommt. Wenn das Ganze gut läuft, werden wir im Herbst nächsten Jahres wieder hier spielen!

Coreground: Es ist ja recht ungewöhnlich, einen neuen Song, der zudem die erste Single sein wird, als Liveversion auf eine vorgeschaltete EP zu pressen. Normalerweise macht man das ja andersrum, oder?

Robert: Natürlich! Aber es war sehr hart! Diese Show war die erste nach einer langen Pause, deshalb standen wir zum einen unter Druck wegen der Liveaufnahme, zum anderen waren wir natürlich sehr nervös wegen unsererer ersten Show nach so einer langen Pause...

Coreground: War das Ganze denn eure Idee? Ihr hättet die Sachen ja auch später aufnehmen können...

Robert: Natürlich, allerdings wollten wir die EP so schnell wie möglich rausbringen! So blieb uns eigentlich nur diese Möglichkeit!

Coreground: Du sagtest eben, "Headful Of Redemption" würde die erste Single eures neuen Albums werden - wird es dazu auch ein Video geben?

Robert: Wir überlegen zur Zeit noch. Wir bekommen verschiedene Angebote von Produzenten und checken das jetzt mal.


Coreground: Wollt ihr ein Video machen oder ist es Vorgabe eures Labels?

Robert: Oh, eigentlich wollten wir ja schon zu "Rookie" ein Video drehen, deshalb sprachen wir mit Victory, aber da wurde uns gesagt, dass Victory Bands keine Videos machen und so weiter, die laufen nicht gut, blablabla... Und dann hatten Thursday drei Monate später ein Video! Da fühlst du dich schon irgendwie verarscht. Es war frustrierend! Wir freuen uns wirklich drauf, ein Video zu drehen, allerdings wollen wir keinen Regisseur der unsere Musik nicht kennt und noch nicht einmal die Lyrics liest! Wir werden uns den besten raussuchen.

Coreground: Die EP ist jetzt ja bei Wind Up/Sony erschienen und ihr habt Victory endgültig verlassen. Eben klang es ja auch so, als wärt ihr mit einigen Entscheidungen seitens eures alten Labels nicht zufrieden gewesen - habt ihr Victory deshalb verlassen oder seht ihr einfach größere und bessere Chancen für euch in dem Deal mit Wind Up?

Robert: Wir hatten eh nur einen Vertrag über ein Album mit Victory und wir wollten erstmal schauen, wie die Platte läuft und dann sind da Sachen gelauffen, die so nicht in Ordnung waren: Das Artwork zum Album wurde ohne unser Wissen einfach geändert, ich mache das ganze Artwork Kram für uns und ich habe das Cover zu "After The Eulogy" für eine ganz spezielle Sorte Papier gemacht. Tja, und bei Victory entschied man sich kurzerhand das Papier zu wechseln, weil es billiger ist... Natürlich ohne und Bescheid zu sagen! So was ist einfach scheiße! Es schien so, als wollten sie uns gar nicht behalten!
Wind Up ist das zweitgrößte Independent Label in den Staaten und wird da von BMG vertrieben... Was ja schon ein Major ist...

Coreground: Allerdings, und sicherlich nicht der kleinste...


Robert: Wir konnten sofort mit dem Chef sprechen und wir konnten machen was wir wollen, die ganze EP war komplett unsere Sache...

Coreground: So, mit Thursday und Hatebreed haben ja zwei weitere Zugpferde Victory verlassen und sind zu Universal bzw. Island/Def Jam gewechselt. Hatten sie die gleichen Probleme wie ihr?

Robert: Nein, ihre Storys sind schon anders, die hatten schon richtige Probleme... Ich kenne die Dinge nicht, die Hatebreed dazu veranlasst haben Victory zu verlassen, bei Thursday weiß ich aber schon Bescheid. Ich meine, Victory haben sowohl mit Hatebreed als auch mit uns sehr viel Geld verdient...

Coreground: "After The Eulogy" hat sich ja auch sehr gut verkauft!

Robert: Richtig, Tony hatte auch gar nicht damit gerechnet, dass die erste Auflage der CD sofort weggeht und deshalb ist da ja auch das braune Papier drin... Wir haben Tony Victory erst kennengelernt als wir schon zwei Jahre auf dem Label waren. Ich wusste nicht einmal wie er aussieht! Da kam irgendein Typ auf der Snapcase Tour zu uns und sagte: "Hey, ich bin Tony!" Sowas nervt!

Coreground: Was ist sonst anders an der neuen Platte?

Robert: Wir sind definitiv politischer geworden! Ich meine, was blieb uns auch anderes übrig, wir haben das Album schließlich nach dem 11. September geschrieben. Es gibt jetzt einfach sehr viel mehr, worüber man sich Gedanken machen muss...


Coreground: Ich denke, das es sicherlich nicht positiv für die Regierung und die Staaten an sich ausfällt, oder?

Robert: Ich würde es auf jeden Fall nicht als "PRO - USA" bezeichnen...

Coreground: Bist du also gegen die ganze Patriotismus Sache?

Robert: Nein, es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus! Wir lieben Patriotismus und die Gedanken auf denen die USA entstanden sind. Es wurde wegen Widerstand gegen Unterdrückung gegründet! Wir haben gegen die Kontrolle der Briten gekämpft. Patriotismus ist nichts schlechtes, es ist sogar sehr wichtig. Aber sobald man sich gegen die Regierung erhebt ist man sofort ein Terrorist! Aber als Patriot sollte man sich gegen Präsident Bush stellen, was der Mensch da macht ist einfach scheiße!

Coreground: Hardcore ist ja auch eine Art Widerstand, was bedeutet es für dich? Ist es eine Sache in deinem Leben oder nur eine hohle Phrase!

Robert: Ich würde mich selber als Hardcore Kid bezeichnen, ich liebe es eines zu sein! Es ist eine Sache über die man nicht nachdenken sollte, entweder man fühlt sich so oder eben nicht! Es sind unsere Wurzeln!

Coreground: Also entspricht "hardcore" - sein nicht einfach nur eine Band, Label oder Fanzine zu haben?!

Robert: Als ich in die Szene kam war sie so offen! Es war total egal, ob du schwarz, weiß oder gelb bist, ob du aussiehst wie Spock, es war egal! Katholiken, Muslime, alle trafen sich! Have fun, sing along!
Ich denke, das ist es was es ausmacht! Ich ging auf eine Hardcore Show, trug ein Sex Pistols Shirt und hörte Nirvana als ich vierzehn war! Aber keiner hat irgendwie gemeckert! Es war normal! Das vermisse ich zur Zeit ein wenig! Gerade weil wir jetzt auf einem größeren Label sind, tauchen auch Kids mit einem Slipknot Shirt auf unseren Shows auf! Und auf der anderen Seite hast du dann die Hatebreed und Converge Fans, von denen dann immer kommt: "Hey, verschwindet aus unserer Szene!" That sucks!

Coreground: Und die Stimmung auf den Konzerten leidet doch sicherlich auch darunter...

Robert: Natürlich! Vor allem kommen diese Leute auch irgendwann auf Bands wie The Hope Conspiracy, Hatebreed. Converge usw.. Oder sie sind irgendwann die Gitarristen deiner Lieblingshardcoreband... Würdest du sie dann auch noch auslachen?
Deshalb mag ich es nicht, Leute in bestimmte Schubladen zu stecken! Aber wenn ihr mich fragt, dann bin ich ein Hardcorekid!

Coreground: Schönes Schlusswort! Danke für deine Zeit und noch viel Spaß auf der Tour!


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