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von Christian Völler & Brian Buhr vom 18.12.2002



Nach der Show in der Zeche Carl in Essen ergab sich kurzfristig für uns die Möglichkeit mit Gitarrist Frank zu sprechen...

Coreground: Ihr seit jetzt ja schon seit vier Tagen in Deutschland, wie läufts bisher?

Frank: Ja richtig, das war die fünfte Show heute Abend. Bisher ist es echt super gelaufen!

Coreground: Die Show heute auch?

Frank: Es war unglaublich! Das Publikum war super! Schade nur, dass wir keine Zugabe mehr geben konnten, aber Daryl ist echt krank! Wir waren ganz kurz davor die komplette Show heute abzusagen... Ich habe schon bei dem vierten oder fünften Song gemerkt, dass seine Stimme stark angeschlagen war und wir maximal unser normales Set durchkriegen werden... Ich hoffe das bessert sich wieder!

Coreground: Werdet ihr die anderen Shows absagen müssen?


Frank: Ich hoffe nicht! Wir werden sehen, Daryl muss sich erst mal ausruhen, dann klappt das schon! Wir haben noch sieben Konzerte nach heute abend...

Coreground: ...und kommt dann im Januar wieder?!

Frank: Ja, wir müssen die Tour leider unterbrechen! Uns wurde gesagt, dass die Feiertage nicht so toll wären um zu touren. Außerdem mussten wir die Tour nach hinten verschieben, da Jon (Salemi, Gitarrist; Anm. d. Ver.) im November Vater wurde und daher zu Hause bleiben wollte. Also können auch wir Weihnachten bei unseren Lieben verbringen und kommen dann im neuen Jahr zurück nach Europa!

Coreground: Ich habe gelesen, dann werden euch "The Hope Conspiracy" begleiten?!

Frank: Ja genau, THC werden Supportact sein! Hey Mann, ich liebe diese Band - das wird ein riesen Spaß!


Coreground: Ihr seid ja zur Zeit auf Tour, um euer neues Album "End Transmission" vorzustellen... Diese Platte hebt sich ja sehr stark von allem ab, was Snapcase bisher gemacht haben. War diese Entwicklung einfach nur ein weiterer Schritt in eurer Geschichte oder ist dieses Album bewusst "anders" gemacht worden?

Frank: Nun ja, wenn du auf die alten Alben zurückblickst waren alle anders als ihre Vorgänger! Wir wollten nie eine alte Platte neu aufnehmen. Wir haben ein Jahr aufgehört zu touren, waren im Studio und wollten es anders als sonst machen... Aber wir sind immer noch die gleichen fünf Jungs und somit sind wir auch immer noch Snapcase!

Coreground: Wobei der Schritt von "Designs For Automotion" zu neuem Album sicherlich ein größerer war als von "Progression Through Unlearning" zur "Designs"-Platte, oder?

Frank: Nun ja, als wir damals "Designs" geschrieben haben wollten wir schon etwas anderes machen als vorher! Wir wollten mehr Dynamik und eben nicht nur diesen Powersound, den alle von uns gewohnt waren. Als die Platte dann aber fertig war, wurde uns klar, dass "Designs" nicht so anders war! Die Platte gefiel uns zwar, dennoch war sie nicht unbedingt das, was wir erreichen wollten!

Coreground: Ist es eine große Umstellung für euch die neuen Songs live zu spielen.


Frank: Sicherlich ist es ein völlig anderes Gefühl auch einmal eine Verschnaufpause während eines Songs zu haben. Das war bei dem kompletten alten Material nicht der Fall, somit muss man sich schon erst einmal daran gewöhnen... Aber ich denke, es lockert die Show auch auf, einige alte Songs und auch neues Material zu spielen! Es gibt sowohl uns als auch dem Publikum Zeit, um Luft zu holen!

Coreground: Der Opener "Coagulate" könnte meiner Meinung nach ebenso ein Song von älteren Snapcase Alben sein. Im krassen Gegensatz dazu steht dann aber das folgende Cadence", der von einem Piano getragen wird und schon einen Vorgeschmack auf das gibt, was den Hörer auf der neuen Platte erwartet. Warum habt ihr gerade diesen Song als Opener gewählt?

Frank: Als wir die Songs schrieben, hatten wir die ganze Zeit "Coagulate" als ersten oder zweiten Song gedacht, allerdings war bis zum abmischen des Albums noch nicht klar, ob wir nicht "Believe, Revolt" (Track 4) als Opener nehmen sollten. Aber es klappte einfach besser mit "Coagulate"! Somit haben wir einen vertrauten Song zu Beginn und dann den kompletten Gegensatz dazu - also ich mag es!

Coreground: Hinter dem ganzen Album steht ja ein Konzept - war das ganz allein Daryls Idee?


Frank: Hundertprozentig! Es kam mit der Idee zu diesem Konzept und wir wollten ja eh alles anders machen. Und Daryl hebt sich mit seinen Lyrics ja sowieso von den gängigen Normen ab...

Coreground: Die Texte zeigen ja im Allgemeinen eine pessimistische Ansicht der Zukunft auf, die Bilder und Eindrücke erinnern teilweise sehr stark an den Film "Blade Runner"...

Frank: Definitiv! Ich liebe diesen Film! Wobei ich das Album nicht zwingend pessimistisch nennen würde - es ist vielmehr eine Entwicklung. Wenn man die Texte nacheinander ließt, eröffnet sich einem zunächst eine dunkle Zukunftsversion, im Laufe des Albums rotten sich die Menschen aber zusammen und befreien sich aus dem Würgegriff der Gesellschaft. Es ist ja nicht so, dass wir sagen wollen, wie es im Jahr 2071 aussieht, sondern vielmehr wie es aussehen könnte! Wir wollen die Menschen dazu bringen mal einen Schritt zurückzutreten und sich alles anzuschauen. Nur so kann die Zukunft funktionieren. Es ist ja nicht so wie eine Prophezeiung von Nostradamus, ich denke jeder Song besitzt auch eine positive Seite.

Coreground: Ich habe mich gewundert, dass ihr heute sehr viele alte Songs gespielt habt. Ich habe mit maximal vier "Klassikern" gerechnet und fast dem kompletten neuen Album. War das nur für die Fans?

Frank: Natürlich wäre es super, wenn wir nur neue Songs spielen könnten, aber wir versuchen jeden glücklich zu machen. Und da sind bestimmt eine Menge Leute im Publikum, die nur wegen altem Material auf eine Snapcase Show gehen. Und es ist ja nicht so, dass es uns keinen Spaß machen würde, alte Songs zu spielen...


Coreground: Wie finanziert ihr euer Leben? Arbeitet ihr "nebenbei"?

Frank: Wir touren so viel und investieren fast unsere ganze Zeit in die Band, sodass keiner von uns einem Fulltime-Job nachgehen könnte. Ich arbeite ab und zu in einem Computerladen eines Freundes! Der Rest hält sich irgendwie anders über Wasser.

Coreground: Daryl ist ja inzwischen verheiratet - wie kommt seine Frau und eure Freundinnen mit dem ständigen Touren zurecht?

Frank: (lacht) Naja, Daryls Frau macht unser komplettes Merchandise auf den Touren und macht das Licht während wir spielen! Aber natürlich ist es schon schwer für die anderen damit klarzukommen... Aber "Absence makes the heart grow fonder" - also, da müssen wir durch!

Coreground: Um noch mal auf das neue Album zu sprechen zu kommen: Du sagtest eben, dass die Reaktionen phänomenal waren - ich habe schon einige Texte gelesen, in denen "End Transmission" mit Refuseds "The Shape Of Punk To Come" verglichen wird und ihm eine ähnlich wichtige Bedeutung innerhalb der Musikwelt attestiert wird....

Frank: Wow! Das habe ich noch nicht gehört! Das ist natürlich eine Ehre, die Platte von Refused war so wegweisend für die damalige Zeit! Das war die Platte die einfach kommen musste, ansonsten wäre die Musik irgendwo stagniert! Ich habe auch schon einige Vergleiche gehört und ohne jetzt Namen zu nennen: Einige von denen passten mehr oder weniger, andere waren echt an den Haaren herbeigezogen! Aber, who cares?

Coreground: Wo siehst du dich in zehn Jahren? Weiterhin bei Snapcase oder in einem Computerladen?

Frank: Ich habe keine Ahnung, was genau ich machen werde, allerdings wird es sicherlich mit Musik zu tun haben! Ich hätte wahnsinnig Lust Platten aufzunehmen und zu produzieren. Aber in welche Richtung das Ganze geht wird sich wohl erst im Laufe der Zeit rausstellen!
Vielleicht sitzen wir auch in zehn Jahren wieder hier zusammen und unterhalten uns...

Coreground: Das bezweifele ich zwar stark, dennoch viel Glück für deine Zukunft und für die Tour!


MP3s zum Download:

Snapcase - Coagulate (from End Transmission)
Snapcase - Ambition Now (from Designs For Automotion)
Snapcase - Caboose (from Progression Through Unlearning)


Mehr über Snapcase im CORE Ground HC Zine


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